Tarifvertrag ausbildung altenpflege niedersachsen

Ein immer häufigeres Instrument bei der Arbeitszeitflexibilisierung ist die Einführung eines „Arbeitszeitkorridors“, wie er in der Chemie- oder Textil- und Bekleidungsindustrie vereinbart wurde. Auf der Grundlage der kollektiv vereinbarten Arbeitszeit ermöglicht eine Öffnungsklausel den Unternehmen, ihre Arbeitszeit innerhalb bestimmter Grenzen zu verlängern oder zu verkürzen. In den letzten Jahren wurden immer mehr Öffnungsklauseln in die tariflichen Vereinbarungen der deutschen Branchen eingeführt, die die Verhandlungskompetenz auf die Unternehmensebene verlagern und zu einer weiteren Dezentralisierung und Differenzierung der Tarifverhandlungen führen. Dies kann vor allem als Reaktion der Sozialpartner auf die wachsende Unzufriedenheit der Arbeitgeber mit dem deutschen Tarifsystem gesehen werden, die mehr unternehmensspezifische Regelungen zu den Arbeitsbedingungen fordern. Damit ist das deutsche Tarifverhandlungssystem viel flexibler als sein tatsächlicher Ruf. Branchenvereinbarungen werden in der Regel auf regionaler und nicht auf nationaler Ebene ausgehandelt. Infolgedessen gibt es geringfügige Unterschiede zwischen den Regionen. Die Hauptelemente der Abkommen, insbesondere die Höhe der Lohnerhöhung, werden jedoch in der Regel in allen Regionen gleich sein. Die größte Ausnahme bildet die ehemalige DDR, wo die ausgehandelten Löhne und/oder Bedingungen in einigen Branchen immer noch schlechter sind als in der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland, obwohl sich die Lücke im Laufe der Zeit geschlossen hat. Die Lohnspezialisten des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialinstituts (WSI), das die Entwicklungen regelmäßig beobachtet, schätzen, dass Ende 2017 das durchschnittliche Niveau der ausgehandelten Tarife im Osten 97,5 % der im Westen lag. Obwohl es einige Branchen gab, wie das Bankwesen oder den Druck, in denen es keinen Unterschied gab, gab es andere, in denen der Unterschied immer noch beträchtlich war. Ein Beispiel hierfür sind die Vereinbarungen für Hotels und Gaststätten, bei denen der Hauptsatz in der Vereinbarung für Sachsen (Ost) nur 77,7 % des entsprechenden Satzes in der Vereinbarung für Bayern (West) betrug.

[3] Nach der aktuellen öffentlichen Debatte scheint das deutsche Tarifsystem jedoch immer altmodischer zu wirken. Grundlegende Veränderungen im wirtschaftlichen und politischen Umfeld setzen das System zunehmend unter Druck: Dieses System, bei dem Tarifverhandlungen in erster Linie auf Industrieebene und nicht am Arbeitsplatz stattfinden, wird traditionell als eine der Stärken des deutschen Systems angesehen. Sie hat das Potenzial, Konflikte über Löhne und Bedingungen auf Branchenebene zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden aufzuhalten, während auf Arbeitsplatzebene einzelne Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter – die Betriebsräte (siehe Abschnitt zur Vertretung am Arbeitsplatz) – kooperativere Beziehungen entwickeln können. Eine gesonderte Studie des Statistischen Bundesamtes nutzte die Ergebnisse der Verdiensterhebung 2014, um zu berechnen, inwieweit Arbeitnehmer tariflich gebunden sind. Sie lieferte Ergebnisse, die den IAB-Zahlen ähnelten, wenn auch im Allgemeinen niedriger waren. Sie stellte fest, dass im Jahr 2014 46 % der Beschäftigten und 15 % der Arbeitsplätze an Tarifverträge gebunden waren. Wie bei den IAB-Zahlen zeigen sie, dass Vereinbarungen auf Branchenebene, die 41 % der Beschäftigten und 13 % der Arbeitsplätze abdecken, bei weitem die größte Abdeckung aufweisen. [2] Typischerweise wird es in jeder Branche eine Vereinbarung über Die Bezahlung und eine Rahmenvereinbarung geben, die sich mit Fragen wie Arbeitszeit, Ernennung und Entlassung, Prämienzahlungen für Nacht- und Schichtarbeit, Urlaub und Krankengeld befasst. Es kann auch gesonderte Vereinbarungen zu Themen wie der Behandlung älterer Arbeitnehmer geben.

All dies dürfte in mehreren regionalen Varianten vorhanden sein, obwohl, wie bereits erwähnt, abgesehen von Ost und West die Unterschiede zwischen ihnen wahrscheinlich gering sein werden. Die Folgen für die Mitarbeiter sind jedoch eher unklar. Einerseits geht eine Abweichung von kollektiv vereinbarten Standards manchmal mit begrenzten Arbeitsplatzgarantien einher, zumindest für die Kernbelegschaft.